Rödentaler Living Glass GmbH kämpft ums Überleben.

Erstellt am: Mittwoch, 27. März 2013

Von einst 150 Mitarbeitern führen jetzt noch drei die Geschäfte weiter.

Auf der Internet-Homepage der Rödentaler Living Glass GmbH entfaltet sich noch die Pracht alter Zeiten. Das Unternehmen, so heißt es dort, „entfacht den Zauber von Weihnachten immer wieder neu. Mit Produkten, die selbst dem schönsten Fest einen ganz besonderen Glanz verleihen.“ Damit ist es vorbei: Die Firma hat beim Amtsgericht Coburg Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Markus Schädler, Bendel Insolvenzverwaltung AG aus Schweinfurt bestellt.

Diplom-Betriebswirt Kornelius Klatt, der Schädler vertritt, sagte der Frankenpost auf Anfrage, dass derzeit drei Mitarbeiter die Geschäfte in der Rödentaler GmbH weiterführen. Sie hatte in Spitzenzeiten bis zu 150 Frauen und Männer beschäftigt. Zuletzt waren nur noch fünf in Vollzeit angestellte Mitarbeiter für Living Glass tätig. Der Betrieb hatte nach eigenen Angaben eine Jahresproduktion von rund 55 Millionen Glaskugeln. Damit sei Rödentaler Living Glass einer der führenden Hersteller in Europa. In der Fachwelt sorgte der Betrieb mit qualitativ hochwertigem, mundgeblasenem Christbaumschmuck immer wieder für Aufsehen. Allerdings hat das Unternehmen nach einem „Umschwenk in der Geschäftsführung“, so Kornelius Klatt, die Produktion in den vergangenen Monaten komplett nach Asien verlagert. Im Dezember 2011 hatte Geschäftsführerin Sabine Sievers eingeräumt, dass der Trend bei Glaskugeln zu billiger Massenware aus Fernost gehe. Es sei „bedauerlich, dass deutsche Wertarbeit nichts mehr gilt.“

Als Grund für die Insolvenz des 110 Jahre alten Traditionsunternehmens nannte Klatt am Dienstag, dass die Planzahlen für 2012 nicht hätten gehalten werden können. Es habe Qualitätsprobleme mit der von Living Glass vertriebenen Ware gegeben, Lieferverzögerungen und Kundenreklamationen. Derzeit würden die Geschäfte von drei verbliebenen Mitarbeitern fortgeführt. Klatt hoffe, dass ein Partner gefunden werden kann, der den Betrieb übernimmt. Die Chancen seien nicht schlecht, da Living Glass in der Branche einen guten Namen habe. Im Juli 2010 hatte Living Glass schon einmal Insolvenz anmelden müssen, sich dann aber wirtschaftlich erholt.